Wenn der Schweizer National-Circus Knie auf Tournee geht, entsteht innerhalb kürzester Zeit eine hochkomplexe temporäre Infrastruktur. Für reibungslose Abläufe im Hauptzelt und den umliegenden Eventbereichen sorgt unter anderem die technische Leitung rund um Maycol Errani. Im Interview gibt er Einblick, wie moderne Circustechnik, Raumklima, Eventheizung und Logistik zusammenspielen – und warum zuverlässige Partner dabei entscheidend sind.

Krüger: In deiner Funktion als technischer Direktor unseres Schweizer National-Circus Knie assoziiere ich eine gewisse Ähnlichkeit mit diesem Krüger-Multitool, das ich dir gerne schenken möchte.
Maycol Errani: Oh – wow! Vielen herzlichen Dank für das Geschenk!
Was begeistert dich persönlich an Technik – besonders an grossen temporären Bauten wie dem Chapiteau?
Ich war immer von Technik fasziniert und als ich die Zügel als technischer Direktor des Circus Knie übernommen habe, habe ich gesehen, dass es vom Publikum geschätzt wird, wenn wir Neues kreieren. Dafür nehmen wir die Herausforderung gerne an, auf jeder Tournée von A bis Z mit neuer Bühnenshow zu begeistern.
Was für Neuerungen wären das im technischen Bereich?
2019 haben wir aufgehört, im Hauptzelt mit zentralen Masten zu arbeiten. Viele Zuschauer hatten eine eingeschränkte Sicht auf die Manege und es kam entsprechend zu Reklamationen. Wir sind auf eine italienische Firma zugegangen und haben klar formuliert, dass die Sicht für das Publikum über 360 Grad gewährleistet sein muss. Das war eine grosse Herausforderung, denn bis dahin gab es weltweit keinen Circus ohne innere Masten, der in einem so schnellen Tempo reist wie wir.





«Gemeinsam mit Krüger entwickeln wir Lösungen fürs Heizen im Winter und Kühlen im Sommer, damit sich unser Publikum jederzeit wohlfühlt.»
Maycol Errani, Technischer Leiter

Wie geht ihr beim Auf- und Abbau mit der neuen Zeltkonstruktion um, ist es anspruchsvoller?
Die Frage ist nicht, ob wir mehr oder weniger Personal brauchen, sondern dass wir mehr Zeit benötigen. Entsprechend haben wir unsere Logistik neu organisiert und gesamthaft mehr Zeit für den Umzug eingeplant. Material, das nicht für die Show benötigt wird, transportieren wir bereits früher an den neuen Spielort. Mit dem neuen Zelt können wir zudem nicht mehr alle Städte ansteuern, da sich die Technik nicht mit jedem Untergrund vereinbaren lässt und ein stabiler Boden aus Sicherheitsgründen zwingend erforderlich ist.
Welcher Bereich im Knie-Kosmos fordert dich technisch am meisten?
Auf der Seite der Bühnenshow hat sich vieles verändert. Meine Frau, Géraldine Knie, organisiert und entwickelt die Bühnenshows, die heute stark von neuen technischen Möglichkeiten geprägt sind. In den letzten Jahren haben wir Tiere wie Elefanten oder Zebras aus dem Programm genommen und diese bewusst durch attraktive, zeitgemässe Inhalte ersetzt. Géraldine reist dafür um die Welt und bringt neue Ideen und Inspirationen für die nächste Bühnenshow mit nach Hause.
Welche neuen technischen Elemente prägen die Show in diesem Jahr?
Zum Beispiel Lichtspiele mit Kugeln. Viele dieser Innovationen sind von den Herstellern jedoch nicht für den Einsatz im Circus konzipiert, insbesondere nicht raumklimatechnisch. Im Circus kommen zusätzlich Staub von Sägemehl und Kondenswasser durch schwankende Temperaturen hinzu. Unsere Herausforderung besteht darin, solche Effekte «circustauglich» zu machen.
Tiere, Artisten, Publikum – wie stellt ihr sicher, dass das Klima für alle stimmt?
Der Kunststoff des Zeltes ist kein einfaches Material. Im Zelt ist es oft kälter als draussen, gleichzeitig entsteht Kondenswasser. In den letzten Jahren haben wir gemeinsam mit Krüger Lösungen entwickelt, um im Winter zu heizen und im Sommer zu kühlen, so dass sich unser Publikum immer wohlfühlt.
Welche Jahreszeit bringt eure Technik am stärksten an die Grenzen?
Die intensivste Phase ist der Start der Tournée im März mit dem neuen Programm. Wir haben fixe Daten und feste Spielorte, an die wir gebunden sind, und viele Tickets sind bereits verkauft – eine Verschiebung der Premiere ist keine Option. Bis sich Routine einstellt und die Logistik vollständig eingespielt ist, braucht es Zeit.
Warum setzt ihr beim Heizen und Klimatisieren auf Krüger?
Bis Mitte September arbeiten wir mit vier bis fünf Klimageräten, danach heizen wir unser Chapiteau. Die Zusammenarbeit mit Krüger funktioniert für mich, weil wir gleich denken: Egal wann man anruft, jemand ist erreichbar und versteht, dass es einfach funktionieren muss. Diese Haltung teilen beide Seiten. Wie mein Schwiegervater Fredy Knie junior sagt: «Ohne Wenn und Aber, es muss funktionieren. Basta!»

Worauf legst du beim Einsatz mobiler Heizlösungen besonderen Wert?
Wir haben keine Zeit für Ausfälle. Wenn etwas nicht funktioniert, muss sofort reagiert werden. Wir arbeiten unter grossem Zeitdruck und brauchen Partner, die flexibel und schnell handeln.
Welche Anforderungen stellt ihr an Partner wie Krüger?
Dass sie genau so bleiben, wie sie sind. Es ist super, einen Partner zu haben, der lösungsorientiert denkt und handelt und wir schätzen die langjährige Zusammenarbeit sehr.
Was wird am Betrieb eines modernen Circus von Aussenstehenden am häufigsten unterschätzt?
Für uns ist vieles normal, weil wir im Circus geboren sind. Regelmässige Shows am Wochenende, Ortswechsel, Leben im Wohnwagen gehören zum Alltag. Für Aussenstehende wirkt das oft kompliziert – für uns ist es gelebte Normalität.
Wann kannst du abschalten?
Wenn Premiere ist und die Show gut läuft, das Publikum zufrieden ist, ist das für mich ein Moment der Entspannung. Gleichzeitig sind wir gedanklich bereits beim nächsten Schritt und organisieren den Abbau, während die ersten Gäste zur Premiere eintreffen.

Zu Beginn des Interviews hast du das Krüger-Multitool erhalten. Wenn du es jetzt nochmals in die Hand nimmst: Wem würdest du es im Circus geben?
(lacht) Für meine tägliche Arbeit brauche ich es eher weniger. Ich gebe es gerne meinem achtjährigen Sohn, Maycol Junior, weiter – er begeistert sich schon für Technik und hat gerade angefangen, sein Fahrrad auseinanderzunehmen und wieder zusammenzubauen.
Vielen Dank für dieses Gespräch!
Technik im Detail
Seit rund 20 Jahren arbeitet der Schweizer National-Circus Knie im Bereich Eventheizung mit uns zusammen. Die langjährige Partnerschaft basiert auf den besonderen Anforderungen temporärer Zeltbauten und dem hohen Anspruch an Zuverlässigkeit im Tourbetrieb. Ab 2022 durften wir erstmals auch die Klimatisierung des Hauptzelts übernehmen und testeten dazu vier Roof-Top-Klimaanlagen. Auf dieser Basis entschied sich Knie, ab 2023 unsere mobilen Luft-Luft-Wärmepumpen regulär einzusetzen. Während der Wintersaison kamen acht mobile Warmluft-Heizungen mit je 200 kW sowie drei Türluftschleier am Haupteingang zum Einsatz, die für einen angenehmen Empfang des Publikums sorgten.



















